Vorgeschichte

Mit Luthers 95 Thesen begann 1517 die Reformation in Deutschland, die sich trotz des Wormser Ediktes in Windeseile ausbreitete. Immer mehr Reichsstande bekannten sich zur lutherischen Reformation. Der Streit um den „rechten Glauben“ drohte das Reich zu spalten, und so versuchte Kaiser Karl V., die Glaubenseinheit des Reiches zu retten. Aus diesem Grunde beauft ragte Kurfürst Johann von Sachsen Philipp Melanchthon, eine Verteidigungsschrift (griech. Apologie) der Reformation zu verfassen. Als Grundlage der „Confessio Augustana“ dienten die von Luther verfassten Schwabacher , Torgauer und Marburger (zusammen mit Melanchton) Artikel.

Bis zum Reichstag zu Augsburg war es das Bestreben der lutherischen Reformation, die römisch-katholische Kirche zu reformieren – nicht, eine neue Kirche zu gründen. Daher ist sie zunächst als reformkatholische Bewegung zu verstehen. Das Augsburger Bekenntnis stellt daher eine Zäsur in der ganzen Entwicklung der Verselbständigung der lutherischen Reichsstande und eine grundlegende Entscheidung zu ihrem Glauben dar.

Confessio Augustana

Das Augsburger Glaubensbekenntnis stellt die Bekenntnis- und Gründungsurkunde der Lutherischen Kirche dar. Dieses Glaubensbekenntnis wurde von Philipp Melanchthon nach dem Wunsch des Kurfürsten von Sachsen Johann „des Bestandigen“, der noch immer auf eine Verstandigung mit den katholischen Reichs fürsten hofft e, fur den Reichstag von Augsburg (am 25. Juni 1530 vorgelegt) verfasst. Das entsprach auch der Intention des Kaisers Karl V.

Luther war mit Melanchthons Arbeit ganz einverstanden: „Sie gefallt mir sehr und ich wusste nichts darin zu streichen oder zu andern; das wäre auch nicht klug, denn ich fur meine Person konnte niemals mit so viel Anmut und Leichtigkeit vorgehen“. Auf dem Reichstag dargelegt, sollte es ein Angebot zur Versöhnung sein, um die Gemeinsamkeit mit der katholischen Kirche wiederzuerlangen. Es forderte jedoch gleichzeitig ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens und gehört noch heute zu den verbindlichen Bekenntnisschrift en der lutherischen Kirchen.

Das Glaubensbekenntnis wurde zum Ausgangspunkt Verwirklichung der Ideen religiöser Toleranz und individueller Religionsfreiheit. Die lesekundige, aktive und freie Bürgerschaft der Reichsstädte und der Reichsstande trat fur ihre Glaubensrechte ein. Dies hatte schließlich zur Folge, dass solche Regeln wie „dissidentes de religion Christianae“ (Wanderungen von Aufgrund ihrer religiösen Praxis zur Auswanderung gedrängter Personen) und „cuius regio, eius religio“ (die Herstellung der konfessionellen Einheit zur Wahrung des Landfriedens) zur Geltung kamen.

Inhalt

Die Confessio Augustana besteht aus zwei Teilen:

In Artikel 1 bis 21 versuchen die Reformatoren zu beweisen, dass ihr Glauben und ihre Lehre im Einklang mit Schrift und Tradition stehen. Hiermit stellten sie die ursprüngliche Lehre der einen christlichen Kirche in den Vordergrund.

In Artikel 22 bis 28 hingegen wird aufgezeigt, welche Missstande es ihrer Meinung nach in der römisch-katholischen Kirche gibt und durch welche Anderungen man diese beheben will. Speziell werden hier die Gebrauche des Gottesdienstes behandelt: Abendmahl, Priesterehe, Messe, Beichte, Speisevorschrift en, Klostergelubde und bischöfliche Kirchengewalt.

Der Kaiser und die altglaubigen Reichsstande lehnten das Augsburger Glaubensbekenntnis ab. Diesführte zu einer langen Auseinandersetzung, die schließlich im Dreißigjährigen Krieg von 1618-1648 mundete. Das wichtigste Ergebnis war jedoch, dass eine christliche Konfession entstand, die intensiv nach dem Ursprung des Christentums suchte und ihn in Glauben, Liebe und Vergebung fand.

Dr. Andreas Keller vorbereitet

Der Bote №3 / 2008